Unveröffentlichter Leserbrief, Antwort auf „Taktische Rhetorik“,

Leserbrief von Dr. John Bunzl, in: Der Standard, 12.12.2005

 

Selbst wenn die internationale Staatengemeinschaft (darunter höchste Vertreter der UNO und nicht nur "der Westen", sondern u. a. auch Russland) die wiederholte Hetze des iranischen Präsidenten Ahmadi-Nejads (jetzt auch untermauert von dessen höchstem Regierungsvertreter Khameini) gegen das Existenzrecht Israels in Nahost vehement zu verurteilen bereit war, was kümmert es den Politologen Univ. Doz. Dr. John Bunzl? Kann er durch Verharmlosung dieser Hetze zur "taktischen Rhetorik" doch bequem seine eigene "taktische Rhetorik" zur Palästinenser-Thematik deponieren, wobei er nur den palästinensischen Intellektuellen Mashala zu zitieren braucht, um selbst polemisch zu werden. Erwartungsgemäß wird dabei die historische Dimension verdrängt. Das verdiente keine wissenschaftliche Antwort, sondern nur eine ebenfalls "polemische". Dennoch historische Fakten: "Palästina" war im Römerreich der lateinische Name für das eroberte Territorium der Juden, die im gesamten Verlauf der Geschichte - trotz aller Vertreibungen - bis ins Osmanische Reich hinauf stets westlich, aber auch östlich des Jordans siedelten. Die erste Teilung des historischen Palästina erfolgte in der Mandatszeit Großbritanniens, in einen vorwiegend arabisch besiedelten Teil Transjordanien (später Jordanien) und in einen vorwiegend jüdisch besiedelten Teil ("Rest-") Palästina. Die somit zweite Teilung dieses Rest-Palästinas erfolgte durch den Teilungsplan der UNO 1947, den allerdings nur die Juden akzeptierten, während die arabischen Nachbarn sofort über den entstehenden, von der UNO vorgeschlagenen, neuen Ministaat herfielen. Vom Unabhängigkeitskrieg Israels 1948 bis zum Sechs-Tage-Krieg 1967 waren die "Palästinenser" Westjordanier und ihr Großteil lebt heute noch im Königreich Jordanien, der heutige König selbst hat eine palästinensische Ehefrau. Erst als die Usurpation des westlich orientierten haschemitischen Königreiches Jordanien seitens einiger weniger sozialistisch-revolutionärer Palästinensergruppen um Arafat misslang und diese aus Jordanien (damals noch inklusive Westjordanland!) ausgewiesen wurden ("Schwarzer September" 1964), entstand der politische Bedarf nach einem eigenen, ziemlich artifiziellen, palästinensischen Narrativ und danach, sich als eigenes Volk der Palästinenser quasi zu erfinden, das als politische Gruppe schon wenigstens ab 1964, nicht erst 1967 "ohne eigenen Staat" da stand. Dass das somit relativ junge palästinensische Narrativ, dem auch Dr. Bunzl so verlässlich huldigt,  diese Tatsachen verdrängt -  auch jene, dass anlässlich der israelisch-jordanischen Friedensverhandlungen die Rückgabe des Westjordanlandes an Jordanien seitens König Abdullah mit einem dankenden Nein abgelehnt wurde - ist politisch verständlich, denn in der Weltöffentlichkeit macht es sich besser, mit "diesem Volk" Israel einen "Modus vivendi erreichen zu müssen". Dass der Staat Israel auch gerne endlich einen solchen, frei von Terroranschlägen, mit "diesem Volk" der eigendefinierten Palästinenser hätte, ist dem Politologen Bunzl kein Zitat wert. Ohne Not und Betroffenheit und selbst als jüdischer Wissenschafter im friedlichen Österreich lebend, die Menschen verachtenden, Israels Existenz bedrohenden Hassreden Ahmadi-Nejads zu "taktischer Rhetorik" zu verniedlichen, ist aber aus keinem Aspekt her verständlich.

 

Mag. Eva Mühlhofer-Gurion